Das passende Audio-Interface finden

Der Markt für Audio-Interface ist in den letzten Jahren sehr groß und weitläufig geworden. Da fällt es schwer den Überblick zu behalten und auch in einer gezielten Auswahl das besten Audio-Interface zu finden. Gerade der Hobby- & Semi-Profibereich rücken immer näher an den Highend-Bereich heran. So sollte man sich im Vorfeld überlegen welche Anforderung man durch seine eigenen Projekte an das passende Audio-Interface stellt.

 

Wonach kann man also die riesige Auswahl möglichst einschränken und das passende Audio-Interface zu finden?

 

Wie viele Ein- & Ausgänge benötigt man für sein Vorhaben?

  • 1 – 2 Ein- & Ausgänge wenn ich nicht mehr als 2 Spuren gleichzeitig aufnehme (z.B. als Singer-Songwriter mit einer Gitarre).
  • 8 – 12 Ein- & Ausgänge für die Aufnahme eines Drum-Sets, einer kleineren Band oder der Speisung eines analogen Mischpults.
  • Weit mehr als 12 Ein- & Ausgänge, weil man neben einer umfangreichen Mikrofonierung auch einen analogen Summieren nutzt oder auch diverse analoge EQs und Kompressoren einschleifen möchte.

Entscheidet man sich für ein Audio-Interface welches man später erweitern oder mit weiteren Geräten koppeln kann, muss man nicht gleich zu Anfang in die „Vollen“ gehen sondern kann mit der Zeit wachsen und bei Bedarf nachrüsten.

Einige Beispiele zur Erweiterbarkeit einem Audio-Interface oder Soundkarte:

  • Universal Audio Apollo (bis zu 4 Apollos via Thunderbolt oder 2 der „alten silbernen“via Firewire 800 koppeln)
  • Apogee Symphony (verfügt durch diverse Module über viele Konfigurationsmöglichkeiten)
  • Motu AVB (hier können mehrere Motu AVB Geräte über einen Switch zusammen geschalten werden)
  • Avid Pro Tools HDX / HD native (mehrere kompatible AD/DA-Wandler können an die HD-PCIe Karten angeschlossen werden)

 

Benötige ich Preamps „on Borad“?

Wer bereits eine Auswahl von externen Preamps besitzt, benötigt vielleicht nicht unbedingt ein Interface mit 8 eingebauten Preamps sondern setzt lieber auf eine Mehrzahl von Line-Eingängen. Doch auch die verbauten Preamps in der Interface-Welt werden immer besser und bieten sicherlich auch eine mehr als nur brauchbare Alternative. Gerade die Emulation von Hardware-Preamps wie z.B. die Universal Audio Unison-Technology in der Apollo-Reihe erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Aber auch im unteren Preisbereich mit weniger Eingängen muss man vor den eingebauten Preamps nicht gleich direkt zurück schrecken.

 

Welche anlogen und digitalen Anschlüsse benötige ich?

Nicht unbedingt ein Ausschlussfaktor, doch sicherlich hilfreich für die Anschluss- & Kostenkalkulation. Ist ein bereits vorhanden Patchbay z.B. mit D-Sub-Anschlüssen bestückt, so ist es natürlich von Vorteil, wenn das Interface diese Anschlüsse auch bietet. Natürlich kann man sich auch mit diversen Adaptern ausrüsten, doch so entsteht auch wieder ein größerer Verkabelungsaufwand. Daneben sollte man auch auf Kombi-Buchsen wie Klinke und XLR in einem achten, denn möchte man hier eine feste Verkabelung in Betracht ziehen, dann kann es bei einem Mikrofon-Anschluss, der gleichzeitig durch die Kombibuchse als Line-Eingang genutzt wird  zu „Problemen“ führen, vor allem wenn die Anschlüsse rückseitig verbaut sind und das Interface später im Rack seinen Platzt finden soll (siehe z.B. die aktuelle Universal Audio Apollo-Serie). Ohne Extrakosten für spezielle Patchbays zu verursachen, die solche Kombi-Buchsen wieder an die bessere Erreichbarkeit führen, sollte man sich darüber im Vorfeld klar werden, wie und wo man sein Gerät verkabelt bzw. ob man oft im Produktionsalltag patchen muss.

Für die digitalen Anschlüsse ist es immer nützlich ein oder zwei ADAT-Ports vorzufinden, auch wenn sie vielleicht erst später als Erweiterung benötigt werden.

 

Die Schnittstelle zum Computer

USB2, USB3, USB 3.1, Thunderbolt 1| 2 | 3, , MADI, Dante, AVB, Firewire…viele Wege führen in den Computer. Und was ist jetzt das Beste? Hier gilt es wieder die Anforderungen mit dem eigenen Vorhaben abzugleichen. Hersteller wie Antelope Audio stellen mit dem Orion32 Interface via USB2 bis zu 32 In- & Outs zur Verfügung. Über Thunderbolt und USB3 wird es schon schwerer den Datenstream für die Ein- und Ausgänge auszureizen. Hier sollte man vielleicht sich das eigenen Computersystem anschauen. Wer auf Apple setzt ist sicherlich mit Thunderbolt gut beraten. Beim Windows-PC kann man mit USB3 nicht viel falschen machen, sowie die Einbindung der anderen Audiodaten-Protokolle wie MADI und Dante mittels einer PCIe Karte bieten natürlich eine solider Grundlage für viele Ein- und Ausgänge. Firewire ist wohl die einzige Schnittstelle die nun langsam aussterben wird und auf die man bei einem Neukauf nicht mehr so wirklichen setzten sollte, auch wenn Firewire 800 einen ausreichenden Datenaustausch für einen 16-Spur-Aufnahme bietet.

Hier eine kurze Übersicht der Bandbreite:

  • USB2 – 480 Mbit/s – Transferspeed 60 MB/s
  • USB3 – 5.000 Mbit/s – Transferspeed 400 MB/s
  • Thunderbolt 1 – 10.000 Mbit/s – Transferspeed 1.250 MB/s
  • Firewire 400 – 393 Mbit/s – Transferspeed ca. 49 MB/s
  • Firewire 800 – 786 Mbit/s – Transferspeed ca. 98 MB/s
  • PCIe 3.0 biete einen Transferspeed  von 985 MB/s pro Lane (also abhängig von der Größe der PCIe-Karte)

(Quelle. Wikipedia)

Um einen theoretischen Ansatz zu haben, kann man sich veranschaulichen, welche Datenmengen aufkommen, wenn man ein Mono-Aufnahme mit 24-Bit und 44,1 KHz macht:

  • bei 1 Mono-Spur – ca. 5 Mbit/s.
  • bei 16 Mono-Spuren – ca. 80 Mbit/s
  • und bei 24 Mono- Spuren – ca. 120 Mbit/s

Allerdings sollte man das nicht all zu genau nehmen, da vieles auch von Treibern und dem Zusammenspiel von Interface und Computer abhängt.

Um den richtigen Computer für die Musikproduktion zu finden, gibt es hier ein paar grundsätzliche Anregungen

 

DSP on Board

Sehr interessant sind natürlich die Interface-Varianten die DSP-Chips an Board haben und so den eignen Computer bereits bei der Aufnahme entlasten. Sie bieten einem nicht nur nahe zu latenzfreies Monitoring, sondern sorgen auch für mögliche Bearbeitung des Eingangssignal mittels EQ, Kompressoren oder Effekte noch bereits vor der Aufnahme.

Immer mehr Firmen verbauen DSP-Chips in ihre Interface-Sortiment wie Universal Audio, Antelope, Focusrite, Waves Digigrid, Motu.

 

Sind die Treiber vom Interface auch für mein Betriebssystem aktuell?

Irgendwann endet jeder Support einmal aber auch nicht alle neuen Geräte unterstützen immer die neuesten Macs oder PCs. Man sollte sich also vorher genau informieren ob das gewünschte Interface aktuelle Treiber für das genutzte Betriebssystem bietet und ob vielleicht das Support-Ende schon in absehbarer Zeit bevorsteht.

 

Was müssen die Wandler können?

Dies ist ein Themenbereich über denn man sich lange unterhalten kann und ich möchte ihn an dieser Stelle kurz halten. Man kann mit 24-Bit und mind. 44,1 KHz mehr als nur vernünftige Aufnahmen erstellen. Die Qualität der Wandler ist sicherlich entscheidet, vor allem im Highend-Bereich, aber bevor man einen Nutzen aus einer 192KHz-Aufnahme zieht, sind viele andere Gegebenheiten entscheidender.

Kopfhörerverstärker on Board?

Sehr hilfreich kann es sein, direkt Kopfhörerverstärker am Interface zu haben. Dies ist hilfreich wenn man in einer Umgebung arbeitet, in der man nicht 24 Stunden rund um die Uhr in einer für sich gewünschten Lautstärke mit Monitorboxen abhören kann. Ein Abhören der Aufnahme über Kopfhörer ist ebenfalls praktikabel wenn einem kein gesonderten und schallisolierter Aufnahmeraum zur Verfügung steht. Doch auch hier sollte man drauf achten, das man das aufzunehmende Signal möglichst direkt – also ohne eine spürbare Latenz – abhören kann. Viele heutigen Interface-Geräte bieten diese Möglichkeit, allerdings benötigt es meist hier auch einen DSP-Chip on Board, um auch mögliche Effekte direkt bei der Aufnahme zu hören, wenn man diese Möglichkeit nicht direkt über die genutzte DAW erstellen kann und der eigene Computer nicht die nötige Leistung besitzt um ein latenzfreies Abhören bei einer geringen Samplerate zu gewährleisten.

Natürlich kann man auch über Line-Ausgänge vom Interface einen externen Kopfhörerverstärker ansteuern, allerdings benötigt man dann auch die nötige Anzahl von Ausgängen. Hat man z.B. zweit Haupt-Monitore und benötigt für einen Bandaufnahme vier weitere Stereo-Kopfhörer-Mischungen ist man schnell bei 10 Ausgängen.

Monitor-Controler

Um die Kontrolle über seinen Monitor-Ausgang zu haben bieten einige Hersteller die Regelung direkt am Interface an. Andere implementieren diese Steuerung auch über Apps, die man z.B. über ein Mobil-Device wie dem iPhone oder iPad steuern kann.

 

Fazit

  • Prüfe an Hand deiner bevorstehenden oder geplanten Projekte wieviel Spuren du gleichziehe aufnehmen bzw. auch wieder einzeln ausspielen möchtest.
  • Hat dein Computer die nötigen Schnittstellen und ist dein Betriebssystem kompatible mit dem Audio-Interface?
  • Möchtest du deine Eingangszahl eventuell zu einem späteren Zeitpunkt erweitern?
  • Benötigst du einen integrierten Monitorkontroler sowie Kopfhörerverstärker?
  • DSP on Board für nahezu latenzfreies Monitoring?

 

Nützliche Links:

Thomann bietet eine große Auswahl für das passende Audio-Interface

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