Computer für die Musikproduktion

Den passenden Computer für die Musikproduktion finden – gar nicht so leicht bei dem Angebot auf dem Computer-Markt. Ich selbst nutze seit Mitte 2007  die Computer von Apple für den Audio-Bereich sowie auch für alle anderen Anwendungen. Allerdings möchte ich an dieser Stelle keine Aussage treffen ob nun Apple oder ein PC (z.B. mit Windows) besser oder schlechter für die Audioproduktion ist. Die Freuden und Klagen kommen aus beiden Computer-Lagern. Dieser Artikel soll eher eine Hilfestellung sein, um den passenden Audio-Computer zu finden, der für die eignen Ansprüche in der Musikproduktion seinen Dienst verrichtet.

 

Welches Betriebssystem (OS) für den Audio-Computer?

Egal für welches Betriebsystem man sich bei seinem Audio-Computer nun entscheidet, man muss sich zum einen mit der Oberfläche sowie Funktionsart wohl fühlen. Wichtig ist natürlich auch im Vorfeld zu klären ob die genutzte oder gewünschte Software auf dem Betriebssystem läuft. Während viele der bekannten DAWs wie Pro Tools, Cubase, Digital Performer oder Studio One auf Mac OS sowie auf Windows laufen, so ist man z.B. bei Logic auf Apple festgelegt und bei Samplitude auf Windows angewiesen.

 

Welche Anforderungen ergeben sich aus meinen Musikproduktionen?

Bei einem Computer für die Musikproduktion gilt es sich also zu überlegen wo das Hauptaugenmerk der eigenen Produktionen liegt. Komponiert man selber Musik mit eher wenigen virtuellen Instrumenten oder produziert man unterschiedliche Größen von Bands? Macht man eher Demo-Aufnahmen der eigenen 4-Mann-Band so benötigt man sicherlich nicht die selbe Highend-Maschine die der Filmkomponist aus Los Angels für seine nächste Block-Buster-Komposition zusammenstellt. Mischt man im Bereich von 20 bis 50 Spuren mit einer „humanen“ Anzahl von Plugins so muss der Rechner auch nicht die Leistung abrufen können, die für eine Chart-Produktion mit über 100+ Spuren von statten geht.

Sicherlich sollte man sich bewusst sein, dass die Plugins immer besser werden und so aber auch einen höheren Leistungsbedarf mit sich führen. Es gilt also ein gutes Maß zwischen genügen Prozessorkraft und verfügbaren Arbeitsspeicher zur Verfügung zu haben. Und da man ja nicht jedes Jahr einen komplett neuen passenden Audio-Computer finden möchte, plant man bei der Anschaffung auch ein paar Jahre Haltbarkeit mit ein, also im besten Fall mit etwas Luft nach oben bei der Leistung oder der Möglichkeit zur Nachrüstung.

 

Gebraucht oder Neu kaufen?

Sicherlich eine Frage, die man sich ernsthaft stellen sollte. Während es im Mobil-Device einen großen Sprung nach dem anderen gibt, so halten sich die Leistungssteigerungen im Desktopbereich „eher in Grenzen“. Dies war vor einigen Jahren noch etwas anders. Durch den Kauf eines gebrauchten Gerätes der Generationen von vor 1 bis 2 Jahren, konnte man ordentlich Geld einsparen. Als Beispiel nehme ich gerne meinen Mac Pro 2008 (2x 2,8GHz Quad) für den damals neu knapp 3.000 Euro aufgerufen wurden. Bei Ebay bekommt man diesen 8-Core Rechner als geprüften Computer vom Händler für weniger als ein drittel des Preises und im privaten Verkauf für sogar noch weniger. Und die Leistung für einen beinahe 10 Jahre alten Computer für die Musikproduktion ist in meinen Augen noch immer erstaunlich.

Entscheidet man sich jedoch für einen Neukauf, so sollte man an den eigenen Anforderungen gemessen, den besten Rechner kaufen, den man sich leisten kann. Ich persönlich halte eine Nutzungssicht auf 4 – 6 Jahre für sehr angemessen, die durchaus auch länger sein kann, wie an meinem Beispiel zu erkennen ist.

 

Der passende Computer für die Musikproduktion… ein Mac oder ein PC?

Ich möchte hier keine direkte Empfehlung aussprechen, doch ein paar Pros & Cons für beide Seiten Mac vs. PC auflisten.

Pro Mac:

  • noch recht verbreitet in der (prof.) Audio-Welt
  • ein überwiegend geschlossenes und abgestimmtes System
  • Support kann oft genau für die Rechnergenerationen angegeben werden

 

Pro PC:

  • sehr große Auswahl
  • im Konsumerbereich  günstiger
  • Flexibler Komponenten selbst zusammen stellen

 

Con Mac:

  • preislich recht kostspielig
  • nur bedingt aufzurüsten

 

Con PC:

  • durch große Komponentenauswahl auch höhere Gefahr mit Treiberproblemen
  • Im Pro-Bereich nicht wirklich sehr viel günstiger

 

Eine Anmerkung zum Hackintosh (Apple MacOS auf einem PC laufen lassen). Das ist sicherlich eine gute Alternative, hat aber auch zur Folge, dass man nicht wirkliche einen Support von den Softwareherstellern oder Apple selbst bekommt und man sich schon entweder mit der Materie auskennen sollte oder sich im Vorfeld intensiv damit auseinander setzte.

Ob durch die weitere Alternative – dem App „Parallels“ (Windows auf einem Mac betreiben) es zu Trainerproblemen führen kann, lasse ich ebenfalls im Raum stehen, da ich dies selber nie genutzt habe.

 

Welche Festplattenarten und welche Speichergrößen?

Es hat seine Vorzüge wenn man sein OS und sein Audio-Daten physisch trennen kann. Daher würde ich immer dazu raten mehrere Festplatten zu nutzen, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

Für das Betriebssystem

Für das Betriebssystem würde ich immer eine SSD-Festplatte mit mind. 256 GB wenn nicht sogar 512 GB Kapazität empfehlen. Dort werden alle Programm abgespeichert und wenn man den Rechner noch für die eigenen Musik- & Bildbibliothek nutzen möchte, sollte man dafür auch genügen Speicher zur Verfügen haben.

 

Für die Audio-Projektdaten

Wie erwähnt ist für den passenden Audio-Computer eine gesonderte Festplatte für die Audio-Projekte und deren Audiodaten zu empfehlen. Ob man sich hier nun einer HDD mit 7.200 rpm oder einer SSD bedient, hängt vom Geldbeutel und der genutzten DAW ab. Kann man die Daten des aktuellen Projektes im RAM-Speichers ablegen (wie es mit der Pro Tools Funktion „DiskCache“ funktioniert) so ist eine SSD für die Audio-Platte nicht zwingend erforderlich. Und der preisliche Unterscheid zwischen einer 1 TB HDD und einer 1TB SSD ist doch noch recht beachtlich.

 

Für das Backup

Das Verlangen bzw. die Notwenigkeit für ein Backup ist eine „Baustelle“ für sich selbst und wird hier in diesem Artikel auch noch mal gesondert behandelt. So sei aber vermerkt, dass eine externe HDD Festplatte mit 2 TB mittels USB3-Anschluss eine gute Grundlage für die nötigen Backups darstellt.

 

Der Prozessor

Mit Intels i5 & i7 Prozessoren (also der 6. Generationen „Skylake“ oder 7. Generationen „Kabylake“) ist man selbst mit den kleinsten Desktopvarianten für kleine bis mittlerer Produktionen gut aufgestellt, da es sich hier um Multiprozessoren handelt, von denen die gängigen DAWs profitieren. Für meinen eigenen Bedarf würde ich mich jedoch beim Kauf eines neuen Computers mit einer längeren Nutzungssicht definitiv bei den i7-Prozessorentypen umschauen um auch für die nächsten Jahre dem steigenden Leistungsbedarf gerecht zu werden.

 

Der Arbeitsspeicher (RAM)

Hier gibt es eigentlich nur eine Empfehlung – soviel wie es das Budget zulässt. Auch wenn z.B. Apple für das aktuelle OS High Sierra „nur“ mind. 2GB voraussetzt, so sind mind. 4GB zu empfehlen und für ein stressfreies Arbeiten dann doch wohl eher 8 GB. Hierzu kommt dann die Speicheraufnahme der verwendeten Software und wie bereits erwähnt u.a. Daten, die man durch die DAW oder Plugins in den Speicher laden kann. Mit 16 GB sollte man gut gewappnet sein auch für die nächsten Jahre. Hat man hohe Anforderungen an virtuelle Instrumente oder nutzt wirklich richtig viele Plugins bei über 100 spuren, so kann man auch über 32 GB oder 64 GB RAM nachdenken. Ist man und der Lage sein 16 GB in einem oder in zwei Jahren aufzustocken ist man auf der sicheren Seite.

Ich selbst nutze in meinem Mac Pro 2013 derzeit 16 GB RAM und muss mich schon ordentlich ins Zeug legen, damit der im RAM-Bereich in die Knie geht. Ich habe nutze aber auch recht wenig virtuelle Instrumente gleichzeitig. Wenn sich das in Zukunft ändert und ich dann mal den RAM nachrüste, würde ich sofort auf 64 GB zurückgreifen.

 

Immer das neuste OS?

Hier noch eine Anmerkung zu den Updates-Wahn und jährlichen „Neuerfindungen“ von Betriebssystemen. Nach meiner Meinung ist es nicht von Nöten immer das aktuell neuste OS zu nutzten. Ich date meist auf das letzte OS auf, wenn der letzten .Dot-Release gemacht wurde oder nutzte auch schon Teilweise länger die älteren System. Ich möchte kein BETA-Tester sein, auch wenn das wohl nie so ganz ausbleibt wenn die OS jährlich neu gestalten werden. Wichtig ist, dass man regelmässig von Sicherheitsupdates versorgt wird, sollte der Rechner am Internet hängen. Die genutzten Programme für das jeweilige System sollten ebenfalls einen offiziellen Release besetzten und unterstützt werden. Ohne diesen wird man es schwer haben bei Problem einen helfenden Support vom Hersteller/Entwickler zu bekommen.

 

Die Anschlüsse beim Audio-Computer

Abhängig vom eignen Interface sollte man natürlich auch drauf achten, welche Anschluss man benötigt. Seitdem Apple Thunderbolt in die Mac-Reihen eingeführt hat und mit den aktuellen Mac Pros keine PCIe Steckplätze mehr vorhanden sind, muss man hier ggf. eine weitere externe Lösung einer Extension-Box einplanen.

USB3 ist mittlerer Weile zum Standard im PC Bereich geworden. Wer auf Firewire durch sein Interface angewiesen ist muss auf Apples Seite mit einem Thunderbolt auf Firewire-Adapter vorlieb nehmen.

Einen Artikel zur Wahl des passenden Audio-Interface findest du hier

 

Desktop oder Laptop?

Reine Geschmacksache könnte man sagen. Die heutigen Laptops haben mehr als genug Rechenleistung unter der Haube um auch größere Musikproduktionen zu ermöglichen. Natürlich ist „mehr Leistungsaufnahme“ gerne gesehen und es ist sicherlich auch noch Luft nach oben.

Möchte man mobiles Recording z.B. bei Konzerten, an bestimmten Locations oder im eigenen Bandraum ermöglichen, dann fällt die Entscheidung wohl sehr schnell für den Laptop aus.

Arbeiten man mit mehreren Bildschirmen wäre dies ein Kriterium worüber man sich Gedanken machen sollte, wenn das zum eigenen Workflow gehört.  Dann muss man sicher stellen, dass diese auch sinnvoll an den Laptop zu bekommen ohne Leistungseinbusse in Kauf zu nehmen.

Ein Desktop lässt sich auch eher mit neuer Hardware bestücken als ein moderner Laptop wie z.B. das aktuelle Mac Book Pro wo der User weder Festplatte noch den RAM – um ehrlich zu sein – nix selber tauschen kann.

 

Die Geräuschkulisse – der Lüfter im Audio-Rechner

Ein Punkt den man gerne schnell aus dem Auge verliert. Jeder Rechner der Leistung aufbringt muss irgendwie gekühlt oder belüftet werden, vor allem wenn man Ihn mit großen Projekte, vielen Spuren und Plugins arbeiten lässt. Stell man sich einen Rechner selbst zusammen so sollte man sich über die Arten und Weiser diverser Kühlungs- und Belüftungssystem informieren. Nichts ist nerviger als ein lauter Lüfter auf, neben oder unter dem Tisch.

Dies war für mich ein Grund, warum ich mich damals für einen Mac Pro (Version 2013) entschieden habe und kein neues Mac Book Pro oder sogar einen iMac. Ich muss schon sehr nah ran gehen um zu hören das er wirklich läuft. Und selbst bei großen Projekte spüre ich keine lauteren Belüftungsgeräusche.

 

Fazit

  • ermittle deine Ansprüche an dein Vorhaben (Produktionsgrößen, Betriebssystem, Software, DAW)
  • Hobby, Leidenschaft oder Beruf?
  • Setzte dir ein Budget (und wenn es ein Apple-Gerät sein soll, setzt noch einen kleinen Puffer oben drauf)
  • Bei einem Neugerät, kauf das beste was dein Budget her gibt mit der Sicht auf ein paar Jahre im Voraus
  • Überdenke die Anschaffung eines Gebrauchtgerätes, wenn es nicht das neueste vom Neuen sein muss und es für deine Ansprüche ausreicht

 

Nützliche Links:

Das Computer-Angebot von Apple: Mac Pro | iMac | iMac Pro | MacBook Pro

Audio PC-Systeme von da-x: Audio PC Computer

Der Pro Tools PC, zusammengestellter Windows-PC für Pro Tools: Pro Tools PC

Hackintonsh Community, aber auch eine gute Hardware-Übersicht: tonymacx86.com

 

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Jul, 02, 2018

 

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